Home // Denkereien

Denkereien - Gedanken im Garten


Vandalismus ist leider nichts neues, wie aus einem Bericht des Gartenintendanten Woellner nach einem Besuch in den Potsdamer Gärten 1796 deutlich wird:
"Vornehme und geringe leute sind äusserst ungezogen. Die ersteren, vorzüglich Dames, machen ihre Promenade gewöhnlich auf den schönen Rasenplätzen, auch wohl über Blumenbeete hinweg, und wenn die Gartenkontrolleurs oder sonsten jemand sie höflich erinnert, solches nicht zu thun, so werden die kgl. Officienten mit beleidigenden Grobheiten angelassen, und man continuiret seinen Weg..." (Preußisch Grün, Potsdam 2004, S. 63.)


"Die neoliberale Plünderung der sozialstaatlichen Errungenschaften hat den Sozialstaat ruiniert. In bestimmter Hinsicht konnte man von einem kollektiven Lernprozess sprechen, der hier rückgängig gemacht wird, die Einsicht nämlich, dass die Grundlage eines friedensfähigen Gemeinwesens auf der Freiheit von Not und Angst besteht. Diese institutionell propagierten Sicherheitsversprechen (...) erwiesen sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr als trügerisch. Die Reichen sind immer reicher geworden und die Armen immer ärmer.
Es ist schlimm, mit ansehen zu müssen, wie die einst linken Themen wie Verteilungsgerechtigkeit und die Not der kleinen Leute nach rechts abwandern, und mit dem angereicherten Angstrohstoff, der sich aus einem Gebräu aus Abstiegsängsten, Wut und Alltagsfrustration zusammensetzt, zur Bearbeitung in die Hände von politischen Hasardeuren gelangen, die nichts anderes im Sinn haben, als die Geschichte des Humanismus und der Aufklärung zurückzudrehen." (Oskar Negt in: Blätter für deutsche und internationale Politik 12/16, S. 79-88)


"Gartenkünstler formen mit den Mitteln der Natur die Träume der Menschen zu Gärten. ... Dass das Gesamtkunstwerk und das daraus nach einiger Zeit hervorgehende Gartendenkmal, soll es denn seine Botschaft an die Menschen deutlich bewahren, eine untrennbare Einheit aus Garten und Gärtner sein muss, ist den meisten nicht bewusst. Sie halten leider, und damit will ich dies in keiner Weise geringschätzig machen, die Pflege der eigenen Balkonkästen für den Maßstab der Gartenpflege in Hinsicht auf das Wissen, das Können und den finanziellen Bedarf. Erst die schockierende Erfahrung eines Vergleichs eines gärtnerlosen mit einem gärtnergepflegten Garten macht bewusst, dass da eine Symbiose, eine enge Bedingtheit besteht." (Michael Seiler in "Nichts gedeiht ohne Pflege", Potsdam 2001)

"Pflege sollte immer als ein kreativer Prozess verstanden werden, der ein definiertes Erscheinungsbild (...) verfolgt und gleichzeitig die einer Pflanzung innewohnende Dynamik berücksichtigt. Pflege ist mit ästhetischen Vorstellungen verbunden und legt daher ein Mindestmaß an Ordnung zugrunde. Sie zielt darauf ab, Pflanzungen zu erhalten, zu vitalisieren und weiterzuentwickeln. (Jürgen Bouillon (Hg.): Handbuch der Staudenverwendung. Stuttgart 2012, 202.)

"Jetzt will ich noch verraten, woran man einen wirklichen Gärtner erkennt. 'Sie müssen mich besuchen', sagt er, 'ich muss Ihnen meinen Garten zeigen.' Kommt man also hin, um ihm Freude zu machen, so findet man sein Hinterteil irgendwo zwischen den Perennen emporragen. 'Ich komme gleich', sagt er über die Schulter hinweg, 'ich setze nur das hier um.' 'Lassen Sie sich nicht stören', erwidert man freundlich. Nach einiger Zeit ist das Zeug wahrscheinlich schon umgesetzt; kurzum, er erhebt sich, macht einem seine Hand schmutzig und sagt, vor Gastfreundschaft strahlend: 'Also kommen Sie, schauen Sie ihn sich an; es ist zwar nur ein kleiner Garten, aber - einen Augenblick', sagt er und bückt sich zu einem Beet nieder, um einige Gräser auszujäten.
'Also kommen Sie. Ich zeige Ihnen eine Dianthus Musalae, da werden Sie Augen machen. Herrgott, hier habe ich vergessen aufzulockern', sagt er und beginnt in der Erde herumzustochern. Nach einer Viertelstunde richtet er sich wieder auf und meint: 'Richtig, ich wollte Ihnen ja die Glockenblume, Campanula Wilsonii, zeigen. Das ist die schönste Glockenblume, die - warten Sie, ich muss den Rittersporn da anbinden.' Sobald er ihn angebunden hat, erinnert er sich: 'Ach ja, Sie wollten den Reiherschnabel sehen. Einen Augenblick', brummt er, 'ich will nur die Aster hier umsetzen; sie hat zu wenig Platz.' Wonach man auf den Fußspitzen davonschleicht und das Hinterteil des Gärtners zwischen den Perennen emporragen lässt. (Karel ńĆapek: Das Jahr des Gärtners)


'It is utterly forbidden to be half-hearted about gardening. You have got to love your garden wether you like it or not.' (Sellar, Yeatman: Garden Rubbish)

"Ich arbeite nun seit vierzig Jahren in demselben Garten, und er nimmt so langsam Form an. Geben Sie mir weitere vierzig Jahre, und er wird vorzeigbar sein. (Reginald Arkell: Pinnegars Garten.)


'Il faut cultiver notre jardin.' Voltaire (Candide)

"NOTRE JARDIN ist nie ein Garten bloß privater Interessen, in den man aus der Wirklichkeit entflieht, er ist ein Stück Land auf der Erde, im Ich oder im sozialen Kollektiv, auf dem die kulturellen, ethischen und bürgerlichen Tugenden kultiviert werden, welche die Wirklichkeit vor ihren eigenen schlimmsten Antrieben bewahren. Diese Tugenden sind immer UNSERE." (Robert Harrison: Gärten, München 2010.)




Suche | Login | powered by editus® 4.1.5