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Denkereien - Gedanken im Garten


Aus dem Jahresbericht des Berliner Rechnungshofes 2001: „Öffentliche Grün- und Erholungsanlagen können nicht mehr ausreichend unterhalten und gepflegt werden, weil der Senat und die Bezirksämter seit Jahren die Haushaltsansätze und Ausgaben für die Unterhaltung der Grünanlagen auf deutlich weniger als die Hälfte des ermittelten Sachmittelbedarfs reduziert haben. (…) Eine nicht bedarfsgerechte Unterhaltung der Grünanlagen ist – wie auch bei Hochbauten und Straßen – auf Dauer in hohem Maße unwirtschaftlich, weil vorhandene Schäden sich schnell vergrößern und deren Beseitigung sich erheblich verteuert. Die ohnehin knappen Mittel müssen vorrangig für die Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht eingesetzt werden, z. B. um Gefahren auf Spielplätzen zu beseitigen, und fehlen damit für eine bedarfsgerechte Pflege. Mangelnde Pflege der Vegetation kann zu bleibenden Schäden bis zu Totalverlusten der biologischen und ökologischen Substanz führen. Darüber hinaus sind nicht ausreichend gepflegte Grünanlagen längerfristig in ihrem Bestand gefährdet, weil die Hemmschwelle für eine nicht schonende Nutzung bis hin zum Vandalismus herabgesetzt ist.“
(Drucksache 14/1165, S. 89ff, Quelle: berlin.de)


"Die heutigen Immobilienkonzerne konnten nur entstehen, ... weil ihnen öffentliches Eigentum - man muss es so sagen - nahezu geschenkt wurde. Der Berliner Senat verscherbelte 65 700 Wohnungen und Gewerbeeinheiten für 401 Millionen Euro. Das sind 6.103 Euro - nicht pro Quadratmeter, wie man vermuten könnte, sondern pro Wohnung.
Man fragt sich: Wenn der Senat seine Wohnungen für kleines Geld loswerden will, warum verkauft er sie nicht an die Mieter?" (Wolfgang Schorlau: Kreuzberg Blues, 412)


Willy Alverdes über den Steppengarten: "Diluviale Sande im Urstromtal der Spree, nach restlosem Einschlag des dichten Waldbestandes bei Kriegsende in Bewegung geraten, gaben die Idee, hier Pflanzen zu versammeln, die in dieser dünenartigen Situation bei extremer Trockenheit und Armut des Bodens noch gute Lebensbedingungen finden. Damit wurde zugleich der Zweck verbunden, den Berlinern ein Beispiel für die Bepflanzung der meist sterilen Sandböden ihrer Gärten zu geben ... Der Teich ist als Rest einer Abtaurinne aufzufassen. Solche Bildungen, in Vereisungsperioden bei stagnierendem Gletscher entstanden, gehören zum topographischen Bild der Berliner Landschaft." (Willy Alverdes: Pflanzen in Sand und Sonne, in: Garten und Landschaft 2/1964, 403)
Diese sympathische Idee wurde bei der Rekonstruktion des kaiserzeitlichen Venusbassins 2009 nicht verstanden bzw. übergangen und damit die Einheit von Düne und Rinne (Teich) zerrissen. Eine feine, smarte Gestaltungskonzeption der 1950er Jahre wurde zerstört.



"You see it is rather a wild garden; I really recommend this ... I would like anyone who reads my book to try this wildness in a corner. It will bring you much happiness." (derek jarman's garden, 1995, S. 105)

"Damit das Leben in der Stadt erträglich bleibt, damit sie sich nicht in einen Glutofen verwandelt, müssen wir Asphalt beseitigen. Parks, Plätze und Straßen mit Bäumen sorgen für Frischluft. (...) Sich an den Klimawandel anzupassen reicht jedoch nicht aus, wenn man die Erderwärmung nicht bekämpft." Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris in: Großstadt Neukölln 1920-2020 (179).

"Wer vorgibt, alles zu hinterfragen, sollte vor sich selbst nicht Halt machen. Die eigene Position hin und wieder einer eingehenden Kritik zu unterziehen, hilft dabei. Es geht nicht darum, immer zu 100% richtig zu liegen, sondern die Fähigkeit zu entwickeln bzw. nicht einzubüßen, menschenfeindliche, diskriminierende und verschwörungsideologische Anteile in der eigenen Meinung zu erkennen. Und manchmal muss auch ertragen werden, dass Erkenntnisse widersprüchlich sein können, nicht eindeutig sind oder Fragen zumindest aktuell nicht beantwortet werden können." (Aus: "Wissen, was wirklich gespielt wird... Krise, Corona und Verschwörungserzählungen", amadeu-antonio-stiftung.de)


"Man hat die Parks, die Gärten und die Anlagen als die Lungen der Städte bezeichnet. Man könnte sie auch ihr Herz nennen. Wenn dieses grüne Herz gefährdet ist, besteht für die Stadt selbst Gefahr." Willy Brandt
(zit. nach: SenBauWohn: 100 Jahre Berliner Grün. Berlin 1970, S.3.)


"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden." Ahlener Programm der CDU von 1947 (nach Ulrike Hermann: Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen. 2019, S. 50).

"Man muss gegen den Strom gekämpft haben, um zu wissen, was es bedeutet, mit dem Strom zu fahren." Fridtjof Nansen in: In Nacht und Eis. Die norwegische Polarexpedition 1893-1896. Stuttgart, Wien, Bern 2000, S. 27.

Każdy nowy dzień jest kwiatem, który zakwita w naszych rękach. (Adam Mickiewicz [1798-1855], der große polnische Romantiker, sagt: 'Jeder neue Tag ist eine Blume, die in unseren Händen erblüht.' Recht hat er.)

"Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Sehen Sie, im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld. Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern - und den Rest der Menschheit." Captain Jean-Luc Picard, Kommandant der USS Enterprise (Star Trek VIII - Der erste Kontakt) - Der Vollständigkeit halber muss man hier anmerken, dass das für die Ferengi nicht gilt!

Auch unter Gärtnern finden wir einen Querschnitt der Gesellschaft und zuweilen kommen auch die zu Wort, die nicht die hellsten Leuchten sind. Folgendes Zitat fand Clemens Alexander Wimmer in 'Möllers Deutscher Gärtnerzeitung': "Die Gärtnerin ist auch ein Kriegsübel, das nach dem Kriege bald verschwunden sein wird. Sorgen wir Gärtner dafür, daß das Übel nicht zu groß wird, und helfen auch wir mitarbeiten, der Frau höchsten und schönsten Beruf zu heben, ihren Beruf als Mutter und Hausfrau." Tja, wie man sich irren kann... (Obergefreiter E Rosenfelder in MDG 1918, zit. n. Gartenpraxis 10-2018)

"Der Moment, in dem ein Garten entsteht, ist zwar faszinierend, aber er entspricht nicht der Vollendung des Gartens. Hier setzen wir als Gärtner an. Unter den Gärtnern in Kyoto kursiert von alters her das Prinzip '40/60'. Damit ist gemeint, dass ein japanischer Garten seine Erscheinung zu 40 Prozent seiner Anlage und zu 60 Prozent seiner Pflege verdankt. Auch für mich hat die Pflege diese hohe Bedeutung. Ich verwende darum statt des üblichen Begriffs für die Gartenpflege, kanri, lieber das Wort ikusei.
Kanri bedeutet, eine Pflege routinemäßig zu verrichten, wie etwa Maschinen instand zu halten oder eben Gärten und Parks nur zweckmäßig zu säubern. Diese Praktik lässt ein wenig an Geist und Leidenschaft vermissen, und sie hat die Tendenz, sich nur auf den aktuellen Zustand zu konzentrieren.
Ikusei hingegen lehnt sich an jene Pflege an, die eigentlich der Förderung und der Entwicklung einer Person vorbehalten sind. Wenn man diese liebevolle Nuance in die Gartenarbeit einbringt, sind es der Garten und seine Pflanzen, die in den Genuss einer zugewandten Sorge kommen.
Ein Garten ist lebendig, und wir müssen dem gerecht werden. Diese Arbeitsweise bedenkt nicht nur die augenblickliche ästhetische Erscheinung eines Segments, dessen Sein, sondern sie berücksichtigt ebenso das Werden einer ganzen künftigen Landschaft." Kato Tomoki, Gärtner in Kyoto, zit. nach Gartenpraxis 07-2018, S. 71.

"Manche Gärten, besonders jene, die von Garten- und Landschaftsarchitekten entworfen wurden, muten wie starre Denkmäler an. Da Gärtnern jedoch einen dynamischen Prozess darstellt, wollen wir dazu anregen, etwas zu schaffen, das sich im Laufe der Jahre, vielleicht sogar von Tag zu Tag verändert - also genau das Gegenteil von Starrheit. Ein Garten, der das jahreszeitlich bedingte Werden und Vergehen zeigt, wirkt stimmungsvoll und weckt Emotionen." Kingsbury, Oudolf: Neues Gartendesign mit Stauden und Gräsern 2007.


'Knickern aber darf man gar nicht, denn umsonst ist nur der Tod...' Fürst von Pückler-Muskau

Vandalismus ist leider nichts neues, wie aus einem Bericht des Gartenintendanten Woellner nach einem Besuch in den Potsdamer Gärten 1796 deutlich wird:
"Vornehme und geringe leute sind äusserst ungezogen. Die ersteren, vorzüglich Dames, machen ihre Promenade gewöhnlich auf den schönen Rasenplätzen, auch wohl über Blumenbeete hinweg, und wenn die Gartenkontrolleurs oder sonsten jemand sie höflich erinnert, solches nicht zu thun, so werden die kgl. Officienten mit beleidigenden Grobheiten angelassen, und man continuiret seinen Weg..." (Preußisch Grün, Potsdam 2004, S. 63.)


"Die neoliberale Plünderung der sozialstaatlichen Errungenschaften hat den Sozialstaat ruiniert. In bestimmter Hinsicht konnte man von einem kollektiven Lernprozess sprechen, der hier rückgängig gemacht wird, die Einsicht nämlich, dass die Grundlage eines friedensfähigen Gemeinwesens auf der Freiheit von Not und Angst besteht. Diese institutionell propagierten Sicherheitsversprechen (...) erwiesen sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr als trügerisch. Die Reichen sind immer reicher geworden und die Armen immer ärmer.
Es ist schlimm, mit ansehen zu müssen, wie die einst linken Themen wie Verteilungsgerechtigkeit und die Not der kleinen Leute nach rechts abwandern, und mit dem angereicherten Angstrohstoff, der sich aus einem Gebräu aus Abstiegsängsten, Wut und Alltagsfrustration zusammensetzt, zur Bearbeitung in die Hände von politischen Hasardeuren gelangen, die nichts anderes im Sinn haben, als die Geschichte des Humanismus und der Aufklärung zurückzudrehen." (Oskar Negt in: Blätter für deutsche und internationale Politik 12/16, S. 79-88)


"Gartenkünstler formen mit den Mitteln der Natur die Träume der Menschen zu Gärten. ... Dass das Gesamtkunstwerk und das daraus nach einiger Zeit hervorgehende Gartendenkmal, soll es denn seine Botschaft an die Menschen deutlich bewahren, eine untrennbare Einheit aus Garten und Gärtner sein muss, ist den meisten nicht bewusst. Sie halten leider, und damit will ich dies in keiner Weise geringschätzig machen, die Pflege der eigenen Balkonkästen für den Maßstab der Gartenpflege in Hinsicht auf das Wissen, das Können und den finanziellen Bedarf. Erst die schockierende Erfahrung eines Vergleichs eines gärtnerlosen mit einem gärtnergepflegten Garten macht bewusst, dass da eine Symbiose, eine enge Bedingtheit besteht." (Michael Seiler in "Nichts gedeiht ohne Pflege", Potsdam 2001)

"Pflege sollte immer als ein kreativer Prozess verstanden werden, der ein definiertes Erscheinungsbild (...) verfolgt und gleichzeitig die einer Pflanzung innewohnende Dynamik berücksichtigt. Pflege ist mit ästhetischen Vorstellungen verbunden und legt daher ein Mindestmaß an Ordnung zugrunde. Sie zielt darauf ab, Pflanzungen zu erhalten, zu vitalisieren und weiterzuentwickeln. (Jürgen Bouillon (Hg.): Handbuch der Staudenverwendung. Stuttgart 2012, 202.)

"Jetzt will ich noch verraten, woran man einen wirklichen Gärtner erkennt. 'Sie müssen mich besuchen', sagt er, 'ich muss Ihnen meinen Garten zeigen.' Kommt man also hin, um ihm Freude zu machen, so findet man sein Hinterteil irgendwo zwischen den Perennen emporragen. 'Ich komme gleich', sagt er über die Schulter hinweg, 'ich setze nur das hier um.' 'Lassen Sie sich nicht stören', erwidert man freundlich. Nach einiger Zeit ist das Zeug wahrscheinlich schon umgesetzt; kurzum, er erhebt sich, macht einem seine Hand schmutzig und sagt, vor Gastfreundschaft strahlend: 'Also kommen Sie, schauen Sie ihn sich an; es ist zwar nur ein kleiner Garten, aber - einen Augenblick', sagt er und bückt sich zu einem Beet nieder, um einige Gräser auszujäten.
'Also kommen Sie. Ich zeige Ihnen eine Dianthus Musalae, da werden Sie Augen machen. Herrgott, hier habe ich vergessen aufzulockern', sagt er und beginnt in der Erde herumzustochern. Nach einer Viertelstunde richtet er sich wieder auf und meint: 'Richtig, ich wollte Ihnen ja die Glockenblume, Campanula Wilsonii, zeigen. Das ist die schönste Glockenblume, die - warten Sie, ich muss den Rittersporn da anbinden.' Sobald er ihn angebunden hat, erinnert er sich: 'Ach ja, Sie wollten den Reiherschnabel sehen. Einen Augenblick', brummt er, 'ich will nur die Aster hier umsetzen; sie hat zu wenig Platz.' Wonach man auf den Fußspitzen davonschleicht und das Hinterteil des Gärtners zwischen den Perennen emporragen lässt. (Karel Čapek: Das Jahr des Gärtners)


'It is utterly forbidden to be half-hearted about gardening. You have got to love your garden wether you like it or not.' (Sellar, Yeatman: Garden Rubbish)

"Ich arbeite nun seit vierzig Jahren in demselben Garten, und er nimmt so langsam Form an. Geben Sie mir weitere vierzig Jahre, und er wird vorzeigbar sein. (Reginald Arkell: Pinnegars Garten.)


'Il faut cultiver notre jardin.' Voltaire (Candide)

"NOTRE JARDIN ist nie ein Garten bloß privater Interessen, in den man aus der Wirklichkeit entflieht, er ist ein Stück Land auf der Erde, im Ich oder im sozialen Kollektiv, auf dem die kulturellen, ethischen und bürgerlichen Tugenden kultiviert werden, welche die Wirklichkeit vor ihren eigenen schlimmsten Antrieben bewahren. Diese Tugenden sind immer UNSERE." (Robert Harrison: Gärten, München 2010.)




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